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… was bisher geschah

Uih, uih, uih. So geht das manchmal mit den guten Vorsätzen: Wider Erwarten, gestaltete sich die Woche doch etwas anders und ich genoss es, mich ohne Kamera treiben zu lassen. Daher stammen die Fotos in diesem Beitrag von meiner Reisebegleitung.

Nach einer Shopping-Tour in Friedrichshain stand am Dienstag ein großes Highlight an. In der Komödie am Kurfürstendamm im Schillertheater gastierte die Familie Flöz, eine internationale Truppe mit Sitz in Berlin, die in ihren poetischen Stücken fast immer auf Sprache verzichtet. Das Hauptmerkmal allerdings sind die großen Masken, die für jedes Stück und jede Person neu angefertigt werden. Wenn man es nicht gesehen hat, ist es schwer vorstellbar, wie Gefühle, Stimmungen und eben die nonverbale Sprache zum Publikum transportiert werden können. Aber, was soll ich sagen: Es funktioniert und ist großartig. Gespielt wurde das Stück „Infinita“, das vom Kreislauf des Lebens handelt und auf humorvolle, aber auch schmerzhafte Weise zeigt, wie sich die Dinge ändern, aber dennoch auch wiederholen. Die Schauspieler präsentieren sich als Babys, Kleinkinder und Senioren und am Ende war ich mehr als erstaunt, dass lediglich vier Darsteller den Masken Leben eingehaucht hatten.

Nach diesem Abend freuten wir uns umso mehr auf den folgenden Freitag, für den wir uns Karten für ein weiteres Stück der Familie Flöz, „Hotel Paradiso“, besorgt hatten. Im Programm selbst wurde es als Alpenkrimi beschrieben und war demnach etwas turbulenter und amüsanter als das erste. Was der Freude allerdings keinen Abbruch tat.

Gerade bin ich auf einen Artikel in der Zeit gestoßen: Pappnasen am Nullpunkt. Ich bin froh, dass wir in der ersten Vorstellung nach dieser Zwangspause mit dabeisein durften. In einer Einführung zu dem Stück konnte man die Freude und Erleichterung deutlich spüren. Obwohl das Schillertheater natürlich nicht vollbesetzt sein durfte, war das Publikum sehr bemüht, die leeren Sitzplätze mit ihrer Begeisterung zu kompensieren.

Am nächsten Tag stand als nächstes Event noch einmal der Piano Salon Christophori auf dem Programm. Dieses Mal mit dem Benny Lackner Trio. Nachdem wir aus sicherer Quelle erfahren hatten, dass Wedding zu den Top 5 Kiezen DER WELT gehört, machten wir uns natürlich entsprechend früh auf den Weg. Leider braucht man hierzu anscheinend noch mehr Zeit, um den Reiz dieses Viertels zu entdecken. Bis jetzt blieb er uns aber verborgen. Das Konzert selbst gefiel mir gut, aber wie so oft ist die erste Erfahrung und die ersten Eindrücke, die man macht, schwer zu übertreffen. Den Piano Salon werde ich als Veranstaltungsstätte definitiv vermissen.

Donnerstag verließ ich schweren Herzens Neukölln und die zwei haarigen Mitbewohner, die ich im Laufe der Zeit liebgewonnen hatte. Mit viel Gepäck, unter dem ich dieses Mal nicht leiden musste, erreichten wir unser neues Domizil in Berlin-Friedrichshain. Ich finde es immer wieder spannend, wie viele unterschiedliche Eindrücke Berlin bieten kann. Jeder Bezirk für sich ist, als ob man in eine andere Stadt kommt. Friedrichshain, mit seinen Kopfstein-gepflasterten und mit Bäumen bepflanzten Straßen, hat mir sehr gut gefallen. Es gibt viele kleine Geschäfte, mit Ideen, die neugierig machen, sie zu entdecken. Ebenfalls in Friedrichshain beheimatet ist das RAW-Gelände, ein großes Grundstück mit Clubs, Geschäften, Gastronomie, einer Boulderwand und vielen anderen Sachen, die im ehemaligen Reichsbahnausbesserungswerk (RAW) untergebracht sind. Wie so vieles war es aber in diesem Jahr ziemlich ruhig hier und wir beließen es dann auch mit einem kurzen Rundgang. Ansonsten ist es garantiert mehr als einen Besuch wert.

Einen meiner Vorsätze habe ich in dieser Woche doch noch gehalten: Der Wochenmarkt auf dem Boxhagener Platz lag jetzt quasi bei uns um die Ecke. Leider war der Samstag aber auch der einzige Tag meines gesamten Berlin-Aufenthalts, an dem es durchgängig regnete. Dennoch ließen wir es uns nicht nehmen in mehr oder weniger dichten Regenjacken, die Stände zu inspizieren. Eingedeckt mit allerlei Marmelade, Käse und Tee ging es nach Hause, wo wir es uns für den restlichen Tag gemütlich machten.

An meinem ersten Sonntag in Berlin bin ich über die Kulturbrauerei gestolpert. Zwar stand sie auch auf meiner Liste, aber ich war dann doch überrascht als ich vor ihr stand. Das Kulturgelände hat mir sehr gut gefallen, also wollte ich es meiner Reisebegleitung auch nicht vorenthalten. Nachdem wir uns auf dem Streetfood-Markt gestärkt hatten, war eigentlich geplant, im Pool & Cigars bei einer Partie Billard gegeneinander anzutreten, aber die wartende Schlange war zu lang. Alternativ kann man hier auch ein Museum besichtigen, in dem man einen kleinen Eindruck über das Leben in der ehemaligen DDR bekommt. Viele Dinge sind für unser Verständnis so absurd und unvorstellbar gewesen und dennoch Alltag von so vielen Menschen.

Am darauf folgenden Tag erwartete uns noch etwas ganz Besonders. Vielleicht erinnert Ihr Euch noch, dass ich anfangs zwecks Vorbereitung in der Tadshikischen Teestube war. An unserem letzten Montag in Berlin war es endlich so weit, die Eintrittskarte einzulösen. Geboten wurde eine märchenhafte Teestunde, an diesem Tag mit keltischen Märchen, erzählt von Ana Rhukiz. Da während der Erzählung nicht bedient wurde, musste man zuvor aus einer Auswahl von kleinen russischen Speisen und Teesorten auswählen. Alle diese Eindrücke: die Umgebung, das Kännchen warmen Tees, der Duft der Räucherstäbchen, das sphärische Klangspiel und natürlich die Stimme von Ana Rhukiz machten diese Märchenstunde zu einer wirklich bezaubernden Darbietung und gehörte für mich zu einem der schönsten Erlebnisse, die ich in Berlin hatte.

Und dann war er auch schon gekommen. Mein / unser letzter Tag in Berlin. Es war für mich eine sehr schöne Zeit mit tollen (Selbst-)Erfahrungen. Auch wenn ich vorher schon verreist bin, ist es etwas anders, längere Zeit an einem Ort zu verbringen und somit auch ein Stückchen Alltag in der Fremde kennenzulernen. Und das alles in einer solchen Stadt, die schier unendliche Möglichkeiten bietet und die mir in jedem Moment unglaublich freundlich entgegengetreten ist. Danke dafür! So hatte ich schon nach kurzer Zeit eine Vorstellung, wie sich hier „Zuhause“ anfühlen könnte.

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